Montag, 17. Oktober 2011

Brust-Fäkal-See

Wir hatten die große Freude in unserer Wahlheimat Paraguay Axel und Nina (Bruder und Schwägerin von Michael, Schwager und Schwippschwägerin von Ulla) willkommen zu heißen. Damit die beiden die weite Reise nicht bereuen, haben wir im Vorfeld ein vollgepacktes Programm aufgestellt bei dem bestimmt keine Langeweile aufkäme...
Highlight war natürlich die Reise nach Bolivien. Von ca 43 m über Meeresniveau in Asuncion direkt auf das etwa einhundertfache am Flughafen von La Paz - SUPERIDEE!!! Nach ein paar unwillkürlichen Umfallern, Händen im Marmeladenbrot, stabiler Seitenlage am Frühstückstisch und schon mehr als vornehmer Gesichtsblässe am ersten Tag war das Thema "Höhenanpassungsprobleme" aber glücklicherweise größtenteils abgeschlossen.




1. Station Titicacasee
Hihihihi, was für ein lustiger Name. Im spanischen sogar noch viel mehr. Aber das kommt natürlich wahlweise aus dem Quechua (in etwa "bleifarbener Felsen") oder Aymara (vielleicht "Puma Felsen"). Hat also weder was mit sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmalen zu tun, noch mit Verdauungsendprodukten.
Für uns gab's eine wunderbare Wanderung auf der angeblichen Geburtsstätte des ersten Inka (Sonneninsel), Höhensonne, tiefblauem Wasser, fangfrischer Forelle und dem unvergleichlichen Gefühl sagen zu können: "Wir waren am weltweit höchsten, kommerzielle schiffbaren See gewesen".
Auf der Hinfahrt wars auch recht heiter. Unser Fahrer (Boot, Marke Nussschale) steuert plötzlich mit ernstem Blick Richtung Ufer, würgt die Motoren ab, schmeißt den Anker, reißt den Boden auf und fängt an Wasser zu schippen. Das macht natürlich Mut, vor allem bei dem erstaunlichen Wellengang. Aber, ging ja gut aus, wir sind doch noch angekommen. Auf dem Rückweg war der Arme anscheinend dann so platt, dass er ein wohlverdientes Nickerchen einlegte. Spießer der Touri der ihn daraus wieder aufgeweckt hat...







2. Station: Salar de Uyuni
10 Stunden Fahrt mit dem Touribus über Sandpiste. Wenn alles gut geht. Das tat es nicht. Der Luxusbus hatte einen kapitalen Motorschaden (5 Stunden Zeitverlust) und der Ersatzbus einen Reifenplatzer (0,5 Stunden Zeitverlust). So konnten wir unseren Ausflug nicht mehr am selben Tag antreten, sondern durften einen Tag im weltweit höchstgelegenen, kommerziell genutzen hässlichsten Dorf Boliviens zubringen.
Die Tour hat das aber wieder wett gemacht:
Tag 1: Salzwüste, Kakteeninsel und Zugfriedhof:


 







Tag 2 und 3: Lagunen, Wüsten, Lamas, Felsen und viele Flamingos:
"Bizarr" beschreibt wohl ganz gut den Eindruck. Sowas hat man noch nicht gesehen. Auf knappen 4000 m plötzlich Seen die nicht nur ein bisschen gefärbt sind sondern durch die gelösten Minerale knall-rot, knall-grün, knall-blau. Dazwischen Sandwüsten inmitten der bis zu 6000 m hohen, schneebedeckten Gipfel und dann diese filigranen Flamingos in ihrem natürlichen Habitat. Vor allem die Frage: was machen die bei bis zu -30 °C in der Nacht in ihrem Wasser (das oft zufriert)? Außerdem Geysire und seltsame Eisformationen ...














 
3. Station: Coroico:
Der Entspannungsaufenthalt am Ende. Tiefer gelegen, viel wärmer, feuchter. Morgens vom unausstehlichen Geplärr von irgendwelchen Regenwaldvögeln geweckt werden. Im Pool planschen und dabei ins Tal blicken. Wirklich schick. Dann noch eine Wanderung zu einem natürlichen Spaßbad.



Noch zwei Stilblüten:
Auch in La Paz gibt es Lamas. Vor allem Babys. In praktischer Größe, getrocknet und verschnürt. Wahrscheinlich für irgendwelche Riten und Opfer für Pachamama. Auf jeden Fall eher befremdlich und als Mitbringsel ungeeignet.


Ansonsten noch ein Kleinod zeitgenössischer, patriotischer Denkmalskunst. Links der Gute, Rechts der Böse. Sehr anschaulich. So versteht auch schon der kleinste Analphabet die Geschichte der Heimat.