Mittwoch, 21. Dezember 2016

Wasser Marsch!

Wie zuvor berichtet ist die Wasserversorgungssituation von Grund auf eher unbefriedigend. Doch nach zwei Tagen tüfteln, buddeln, Rohren abdichten und verbinden sollen alle Wasserprobleme der Vergangenheit angehören.

Ein 500 l Tank auf dem Boden, der sich mit dem Flusswasser befüllt. Dort geben wir Chlor und Aluminiumsulfat zu um zu desinfizieren und den Schmutz zu binden. Nach einigen Stunden ist das erledigt, dann sauge ich mit einem Schlauch den Schmutz vom Boden ab und pumpe das gereinigte Wasser dann in den oberen, 1000 l fassenden Tank. Von dort gehts dann ins Haus wo wir in der Küche noch einen Filter mit 2 Kartuschen haben den wir zur Trinkwasserversorgung verwenden. Der Druck könnte ein bisschen höher sein, aber mit 3,5 m ist unser Turm eh schon höher als die meisten, die hier so rumstehen.

Auf den Bildern kann man die Entstehung mitverfolgen. Bei den Temperaturen habe ich wahrscheinlich auch eine Tankfüllung an Schweiß abgegeben...

Übrigens ist der Ausblick vom Tank ganz herrlich. Ungestörter Blick auf den Himmel.















Montag, 12. Dezember 2016

Puerto Capitán Carmelo Peralta


So heißt unser neuer Wohnort mit vollem Namen. Hat so um die 2.500 Einwohner. Davon einige hundert Ayoreo. Ein Stamm von Ureinwohnern, die hier aber in kleinen Siedlungen wohnen. Alle Paraguayer sprechen am liebsten Guaraní, nur die Ayoreo wollen davon nichts wissen. Von ihnen wird (schlecht) Spanisch gesprochen, sowie ihre eigene Sprache. Aber außer ein paar Wörtern können wir davon noch nichts.

Wir haben ein geräumiges Haus gemietet. Mit wenig Renovierungsbedarf. Schön wäre es, sauberes Wasser zu haben. Das Wasser aus der Leitung kommt nämlich eins zu eins aus dem Fluß. Ist also einigermaßen braun. Zum abspülen, wäschewaschen, duschen. Immerhin zum trinken holen wir uns gefiltertes Wasser. Wir würden gerne einen Wassertank installieren zur Reinigung, aber dafür brauchen wir noch das Ok der Vermieter. Apropos Vermieter: Die kennen wir noch gar nicht. Hier ist alles recht unkompliziert. Der mündliche Vertragsschluss fand schlicht per Whatsapp statt: "Können wir euer Haus mieten?" - "Ja, kostet 600.000 guarani." - "Gehts auch für 500.000?" - "Ist auch ok." - "Gut, wir ziehen morgen ein".




Was das ganze ein bisschen anstrengend macht, ist das Blechdach. Wenn die Sonne drauf scheint (und das tut sie oft), wird's hier drin unbeschreiblich warm. Die Kerze in unserer Küche hat sich der Hitze gebeugt...




Um gleich mit den Schwierigkeiten weiterzumachen: Die Wege sind nicht befestigt. Daher ist hier alles schlammig, nach einem Regen. Wir können unser Haus nicht verlassen, ohne durch große Pfützen oder kleine Seen zu waten. Außerdem führen Regen und Hitze zum ungehinderten Wachstum der Moskitopopulation. Buchstäblich Millionen. Gut, das hat den Vorteil, dass man manchmal mit einem Schlag gleich drei töten kann.




Aber das wars auch schon an Herausforderungen. Insgesamt finden wir es hier toll. Die Leute sind sehr nett, das Dorf ist sehr sicher (Die Wäsche ist auch am nächsten Morgen noch auf der Leine). Es gibt hier viel Ruhe. Und wir wohnen quasi in einem Zoo. Unglaublich viele tolle Vögel, Papageien etc. Echsen. Und manch anderes für mitteleuropäische Augen exotische Getier. Außerdem viele Früchte. Auf den Bildern zu sehen: Die Mango"plage". Tausende und Abertausende Mangos, die einfach vergammeln. Schlicht zu viele um sie alle zu essen. Außerdem die Cashew. Das kleine Ding oben an der roten Frucht. Das wird aus seiner Schale und von einem giftigen umgebenden Öl befreit und dann in Europa teuer verkauft. Hier leider weniger. 









Zum Schluss noch ein paar Bilder von einem Ausflug den wir im Beiboot des Pionero III gemacht haben. Zu einer Ayoreokolonie und sonstigen Anrainern des Flusses. Außerdem haben wir noch einen Hügel in der Gegend bestigen. Eine sehr schöne Erfahrung.








Donnerstag, 8. Dezember 2016

Schatz, ich geh mal Geld holen

Implizit teilt dieser Satz dem Angesprochenen normalerweise mit, dass in 10 Min. mit der Rückkehr zu rechnen ist. Als Michael diesen Satz zu Ulla sprach, gab es erst nach sieben Stunden ein Wiedersehen: Bienvenidos al Chaco! Aber später mehr dazu.

Unser Umzug ist mittlerweile durch. In Cambyreta haben wir unsere sieben(undsiebzig) Sachen auf einen LKW geladen, der schon etwas älter war als ich selbst. Nachmittags gings los, um kurz nach Mitternacht waren wir (Michael, der Fahrer und ein Begleiter) in Asuncion am Hafen. Es folgte eine idyllische Nacht an einem paraguayischen Hafen. Heimelige Dreisamkeit in der Fahrerkabine. Zwischenzeitlich diente Michaels Schulter dem netten Nebenmann als Kopfablage. Aber die Nähe hatte zumindest den Vorteil, dass die empfindliche Kälte erträglicher war. Es erübrigt sich zu erwähnen, dass die morgendlichen Sonnenstrahlen sehnlichst erwartet wurden.




Das Beladen des Bootes war ebenfalls ein Erlebnis. Zwei Planken vom Ufer als Brücke. Darüber mussten Schrank, Waschmaschine, Kühlschrank und vieles mehr. Die Lastenträger waren ziemlich fit. Erstaunlich wie die (nicht gerade jungen) Herren mit Leichtigkeit die Lasten auf Schulter oder Kopf gehievt haben und dann auch noch in den Bauch des Schiffes schlichteten. Und, typisch Paraguay: Kein Beleg, Keine Quittung, keine Ladeliste. Nur ein: "Das passt schon so, kommt alles an." Vor allem um das Motorrad hatten wir uns Sorgen gemacht, das blieb nämlich einfach so am Ufer stehen, würde erst am Abend verladen.





Es folgte die lange Fahrt durch den Chaco Parguayo in Klaus' und Cordulas Landrover. Knapp 700 km, davon 270 km auf Erdstraße. Gut angekommen.






Am darauffolgenden Morgen auf Haussuche. Gleich das erste Haus passt. Und das obwohl Chessa und Kevin vorher wochenlang nichts passendes und vor allem konkretes gefunden haben. Zwei Tage später dann die Ankuft unserer Sachen. Abends um 23:00. Alle Brüder haben tragen geholfen. Die gute Nachricht: Alles kam an. Auch das Motorrad. Achso, Preis war ja auch noch keiner ausgehandelt. Das Haben wir erst Mal Rihyer überlassen. Der ist ja auch Paraguayer. Er und der Kapitän haben dann echt lang und sehr ruhig verhandelt. Die Vorstellungen lagen einigermassen weit auseinander. Schliesslich hat sich Michael eingeschaltet. "Kann man da gar nichts machen? Wenigstens ein bisschen?" Da fiel der Preis nochmal um 30 €, bar bezahlt. Umzug erledigt. So einfach, so unkompliziert. Und wirklich alles unbeschadet angekommen.



Nachdem wir dann schnell festgestellt haben, dass wir auch in Brasilien gegenüber kein Geld aus dem Automaten bekommen, entstand die Notwendigkeit, die oben erwähnte Reise anzutreten. Der nächste Weg: Mit dem Motorrad den Rio Paraguay überqueren. In Brasilien ca. 60 km, größtenteils auf Erdstraße, bis zum nächsten Grenzfluss, dem Rio Apa, fahren. Wieder überqueren. Dann noch gute 10 km bis zum Automaten. Staubig und durchgerüttelt kamen Rihyer und Michael dann nach 7 also wieder zurück. Ebenfalls alles glatt gelaufen. Dennoch zu vermeiden, wenn möglich. Übrigens flößt die Flussüberfahrt, sitzend auf dem Motorrad im kleinen Motorboot nicht eben großes Vertrauen ein. Aber der Fahrer hatte Erfahrung, der macht das den ganzen Tag. (Die Bilder zeigen den vorherigen Passagier).