Samstag, 27. Dezember 2008

Dorfspass

Zweimal im Jahr hat das Dorf Yegros Spaß. Einmal im Sommer zum Feiertag des Schutzheiligen und das andere Mal durften wir gerade selbst miterleben. Der 17. Dezember wird anlässlich der Gründung besonders begangen. Dazu gibt's: Stierkampf (unblutig), Reiterspiele, Jahrmarkt, Party bis in die Morgenstunden, Buden. Und das ganze Dorf ist da. Also auch wir. Riesenrad sind wir gefahren. Gegessen haben wir. Müde Stiere beim "Kampf" gesehen. Die Dorf-Granden beim Reiten betrachtet. Jetzt müssen wir wieder ein Jahr warten, bis was passiert (denn die Feier für den Dorfheiligen schenken wir uns). Also abends wieder Bücher lesen und früh ins Bett gehen.







Schon vor einiger Zeit sind wir zum Predigen nach 3 del Mayo gefahren. Nachdem eine Versammung aufgelöst wurde gehört das jetzt auch zu uns. 50 km, das heißt über eine Stunde Fahrt, über Brücken (wenn man das so nennen will; wobei sogar große Reisebusse diese passieren), holprige Erdpisten, an Kuhherden und Ochsengespannen vorbei. Und da nur drei in die Fahrerkabine passen, muss einer auf die Ladefläche. Gelohnt hat's sich trotzdem. Mit ausnahmslos jedem in dem Ort konnte man sich 15-30 Minuten unterhalten; vielleicht liegt's daran, dass nur alle paar Schaltjahre ein Zeuge Jehovas vorbeikommt. In der Nähe des Ortes gibt es sogar noch ein weiteres Dorf, da war noch nie ein Zeuge. Vielleicht kommt das auch noch irgendwann.In 3 del Mayo wohnt ein Glaubensbruder: Nemecio heißt er. Eine Zusammenkunft hat er in seinem ganzen Leben nicht besucht, außer dem Kongress auf dem er sich taufen hat lassen; wie auch, die Strecken sind weit und das Geld knapp, Fahrzeug hat er keins. Aber gefreut hat er sich uns zu sehen, ist uns glatt um den Hals gefallen. Lothar hat ihm zwei Kisten mit Literatur gegeben, für den persönlichen Bedarf. Bei ihm, seiner Frau und dem Nachbarsjungen haben wir uns auch zum ersten Mal getraut Portraitaufnahmen eines Paraguayers zu machen, sind ja schließlich quasi Bekannte. Der Junge heißt Fernando, sagt er einem; aber nur wenn man ihn "Mba'eichapa nde réra" fragt, "Cómo te llamas?" versteht er nicht.Einmal im Monat werden wir vorbei kommen, das nächste Mal vielleicht sogar über Nacht im Dorf bleiben, damit sich's lohnt.





Ansonsten fordert das Wetter im Moment heraus. Dauerhafte 40°C im Schatten (wieviel wird's dann erst in der Sonne haben?). Und wir beiden zu Fuß in der Mittagssonne 40 Min. vom Gebiet nach Hause gelaufen. Zur Beruhigung aller Hautärzte: natürlich mit Hut und langärmeligem Hemd.Letzte Nacht hat's seit fast 7 Wochen das erste Mal wieder signifikant geregnet. Das wir uns so über Regen freuen könnten hatten wir auch nicht geahnt.


Ulla hat diese Woche in der Versammlung ihre erste Aufgabe auf Spanisch. Michael zum ersten Mal einen 30 minütigen Vortrag in ebenjener Sprache. Wir sind gespannt.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Besuchsbananenschrankschwein


Für etwas mehr als eine Woche hatten wir unseren ersten Besuch bei uns. Zugegeben, Evi und Samuel hatten es nicht so weit aus Asunción hierher nach Yegros. Gefreut haben wir uns darüber aber sehr. Sie hatten aus dem Chaco frische Erdnüsse (500 g, Lebensdauer ca. 12 h), Erdnussbutter und vor allem Leder mitgebracht. Ulla wünscht nämlich schon lange sich eine Dienst-/Versammlungstasche herzustellen. Da Leder in seiner Urform hier ziemlich viel rumläuft sollte das nicht so schwer sein. Wie auf dem Bild zu sehen, hat sie mit einigem Erfolg so ihre erste Lederarbeit erledigt und muss nun nicht mehr mit dem braunen Werbegeschenkjutebeutel rumlaufen.Ansonsten waren wir zusammen recht viel im Dienst, haben gemeinsam Brot gebacken und Mozzarella gemacht und die Abwechslung genossen. Ein Gegenbesuch unsererseits wird wahrscheinlich Mitte Januar anlässlich des deutschen Tagessonderkongresses in Asunción anstehen.



Die auf dem Bild zu sehenden Bananen haben wir von unseren Stauden geerntet. Aber nicht nur die. Das ist schon die deutlich dezimierte Zahl. Banenmilch, Bananen gebraten und mit Käse überbacken, herzhaft-süße Bananensuppe und sogar Bananenhaarkur haben wir schon ausprobiert. Dennoch droht der Rest kläglich zu vergammeln. Das Problem ist, dass natürlich auf einen Schlag 50 Bananen reif sind anstatt schön verteilt über das ganze Jahr. Ähnliche Probleme stehen uns ins Haus, wenn erstmal die drei Zitronenbäume richtig loslegen, der Pomelo, die Mango oder am allerschlimmsten: Der große Avocadobaum. Was kann man daraus bloß machen außer (gelegentlich) eine Avocadocreme? Vorschläge werden gerne angenommen, bald ist es nämlich so weit.Dazu passt, dass wir günstig von einem Nachbarn ein mit Mais, Bohnen und Zwiebeln bepflanztes "Feld" erstanden haben. Dies ergänzte Michael noch um Erdnuss-, Wassermelonen-, Sonneblumen- und Gurkenpflanzungen. Seitdem wünschen wir uns auch sehnlich Regen. Seit fast 5 Wochen ist nun fast kein Tropfen gefallen, dementsprechend geht's den Pflanzen bei konstant über 35 °C (wobei Gießen bei einem Kubikmeterpreis von ca. 16 Cent finanziell nicht besonders weh tut).



Unsere Wohnungseinrichtung haben wir erweitert. Nach 8 Wochen endlich nicht mehr aus dem Koffer leben!!! Nach unserer Zeichnung vom Schreiner für umgerechnet etwas mehr als 80 € hergestellt. Zur Beruhigung aller deutschen Schreiner mit Angst vor billiger paraguayanischer Konkurrenz: Die Qualität ist bei weitem nicht vergleichbar, aber es taugt.
Versammlung Yegros Süd-West hatte sich entschlossen vom Nachbarn ein Schwein zu kaufen und selbiges gemeinsam zu sich zu nehmen. Obwohl uns sein Todeskampf (der des Schweins, nicht des Nachbarn) zumindest akustisch am Freitag Morgen einige Minuten begleitet hat, haben wir es uns nicht nehmen lassen unseren Anteil davon zu verspeisen. Was wir als Versammlung gelernt haben: Ziehe einem Schwein vor dem Grillen die Haut ab (damit das Fett zumindest teilweise schmilzt), und: kaufe es am besten das nächste Mal gleich in Stücken. Eine Nachfolgeveranstaltung wird es also bestimmt geben.Noch ein kurzes Bild von Lothar und Silvana, dem anderen deutschen Pionierehepaar hier in der Versammlung (aufgenommen bei einem Arbeitseinsatz im Saalgarten). Beide seit ca. 18 Jahren in Paraguay, seit 15 verheiratet. Ohne irgendwelchen Klischees Vorschub leisten zu wollen: Sie war zuvor Sekretärin, er hat Mathematik studiert und als Programmierer gearbeitet.Wir verstehen uns auf jeden Fall blendend und Michael wird im Dorf ständig gefragt, ob er denn nicht Lothars Sohn sei (was aber bestimmt nichts mit der Vornamensgleichheit zu tun hat...).