Samstag, 22. November 2008

Selbst machen

Die letzte Woche haben wir viel zu tun gehabt. Es galt eine der beiden Wohnungen herzurichten, vor allem zu streichen. Erschwerend ist dabei die Qualität der Wandfarbe, die beinahe so dick wie verdünnte, fettarme Milch ist. Auf der aus Holzresten gezimmerten Leiter gleicht es einem Kunststück diese nicht zu verschütten. Schließlich gelang es uns dennoch mit zufriedenstellendem Ergebnis. Und dabei haben wir auch noch immer eine gute Figur gemacht, wie auf den Fotos unschwer zu erkennen ist…



Ansonsten haben wir hier deutlich mehr Zeit als noch in Deutschland, um uns Dingen zu widmen, die wir zuvor noch nie ausprobiert haben. Im Garten des Königreichssaales in dem wir wohnen gibt es einen sogenannten Tatakua. Einen typischen, paraguayischen, gemauerten Ofen. Diesen haben wir mit selbstgemachter Chipa (ebenfalls typisch und außerordentlich gehaltvoll, besteht aus geriebenem Maniok, Maismehl, Ei, Butter und Anis), sowie eigenem Brot eingeweiht. Beides mit mittelmäßigem Erfolg, wobei jedoch das Brot geschmacklich durchaus Grund zur Hoffnung gab. Desweiteren haben wir uns an selbstgemachtem Azerolagelee versucht (Konsistenz erfordert den Gebrauch eines Stohhalmes) sowie Azerolasaft. Morgen machen wir noch unseren eigenen Azerolalikör (ja, wir haben einen Azerola-Baum vor der Tür).



Erste Zuchterfolge in unserem Garten konnten wir auch schon verzeichnen. Die eingegrabenen Wassermelonenkerne haben sich vom verspäteten Pflanztermin nicht beirren lassen und schon ausgetrieben! Die erste selbstgezogene Pflanze unseres Lebens (außer der obligatorischen Schulkresse). Unser Kräutergarten mit Zitronenkraut, Oregano und Petersilie mickert noch ein bisschen vor sich hin. Müllentsorgung: einfach verbrennen. Vor der Haustür. Klimabedenken? In der Sammelstelle wird das gleiche gemacht, nur halt gesammelt. Nur, dass es dann nicht so nach brennendem Plastik im Vorgarten stinkt…


Zum Glück hat das andere deutsche Ehepaar in der Versammlung ein geländegängiges Auto. Ein Ford Pickup, Baujahr 1988. Ziemliches Monstrum. Wenn er denn fährt. Bis es soweit ist lässt er sich gerne mal schieben. Kein Spaß bei über 40°C in der Sonne. Außerdem hat er nur drei Sitzplätze in der Fahrerkabine. Aber man fühlt sich immer ganz toll, wenn man gerade ein Ochsengespann überholt; die haben ja zum Glück nicht gesehen, wie man beim Anschieben geschwitzt hat.

Montag, 10. November 2008

Zusammenfassung


Kleine Zusammenfassung der letzten 5 Wochen:


Ankunft in Asuncion schon nach 34,5 Stunden. Die Glaubensschwester bei der wir dort untergebracht sein sollten ließ uns von ihrer Hausangestellten abholen. Sie begleitete uns „heim“ und ließ uns dann dort nach kurzer Einweisung mit einem Schlüssel alleine. Da waren wir, in der fremden Stadt, im Haus einer Frau, die wir nicht kannten, und sie hatte keine Angst, dass wir ihr die Bude ausräumen (Wobei Kriminalität hier noch viel mehr ein Thema ist, als in Deutschland).Vertrauen - schön ist das.


Viereinhalb Wochen blieben wir bei unserer „Gastmutter“ namens Dora, lebten in eigenem vollklimatisiertem Zimmer mit angeschlossenem Bad, aßen zweimal täglich warm und lecker (zubereitet von zwei ausgebildeten Köchinnen, die sich abwechselten) und führten somit ein ganz und gar unparaguayisches, dabei aber keineswegs unangenehmes Leben.


Ein paar erste Eindrücke vom Land: - Hitze: 39°C haben wir schon geschafft, dabei ist gerademal Frühjahr. Und leider ist‘s oft auch sehr feucht. - Freundlichkeit: Soviel Hilfsbereitschaft wie von Seiten unserer Glaubensbrüder hier haben wir noch nicht erlebt. Beneidens- und Nachahmenswert. - Gesundheit: Michaels Insulinbedarf (Langzeitinsulin) hat sich in 5 Wochen um 25 % verringert. Bei linearer Fortsetzung Heilung in 15 weiteren Wochen… Woran‘s liegt? Keine Ahnung. - Armut: Unvermeidlich das zu erwähnen. Mindestlohn von umgerechnet 200 € monatlich. Die wenigsten verdienen diesen jedoch. Menschen, die im Müll nach Plastikflaschen suchen. - Die andere Seite: Reichtum. Porsche Cayenne, Mercedes ML, und überhaupt viele Autos mit Stern. Dazu Häuser mit Wachleuten, 3 Meter Mauer und Elektrozaun.


Das Ziel in Asuncion war, die Sprachen des Landes zu lernen. Ulla besuchte einen Spanischkurs. Ich versuchte mich am Guarani. Die Sprache der Ureinwohner. Paraguay hat als einziges Südamerikanisches Land diese als zweite Amtssprache. Alle verstehen es, die meisten sprechen es; manche sogar ausschließlich. Dabei sieht man eigentlich so gut wie nie tatsächliche Indigenas (höchstens an Ampeln klopfen sie an die Fensterscheibe der Autos und bitten um ein paar „Cent“).


Dann endlich Abfahrt nach Yegros, das eigentliche Ziel unserer Reise: 7,5 Stunden Fahrt, die letzen 1,5 davon mit dem Überlandbus auf einer unbefestigten, durch Regen und Vorausgefahrene stark zerfurchten Straße.


Ankunft und Abholung nach telefonischer Abmachung durch einen Glaubensbruder vor Ort. Erster Eindruck: Anders als erwartet. Keine Lehmhütten und herumlaufende Hühner. Stattdessen ordentliche befestigte Häuser, Gärten, Geschäfte. Yegros ist keine Armensiedlung. Vielleicht gar nicht schlecht so, der Umstieg fällt so leichter. Ansonsten: Das Paradies! Wir waren ein paar Mal schon hier predigen. Davon einmal etwas auswärts – leider ohne Kamera. Freiherumlaufende Kühe und Pferde, hier mal ein Ferkel, da ein paar Küken. Ein Idyll wie gemalt. Dazu: entspannte Menschen. Wo immer man vorspricht wird man eingeladen sich ein paar Minuten zu setzen, oft kommt die ganze Familie dazu. Leider nur auf Guarani, daher für uns bisher noch schwer. Im Ort selbst sind die Leute zwar etwas weniger einladend, aber dennoch tief religiös und bisher ausnahmslos besonders freundlich und gesprächsbereit. Fremdenangst – Fehlanzeige.


Untergebracht sind wir neben dem Königreichssaal in einer kleinen Wohnung. Schlicht, aber zweckdienlich. Leider ist wenig Ausstattung vorhanden, Kühlschrank wurde von uns schon gekauft, einiges weitere muss noch folgen. Im Garten: Zitronenbaum, Avocado, Mango und Exotisches uns unbekanntes.


Bald auch mehr Fotos hoffentlich.