Am Sonntag nach dem Kongress hatte David eine Menge Leute eingeladen. Um diese nicht hungern zu lassen wurde am Samstag eines der drei Schweine geschlachtet (auf dem Foto sieht man sie noch alle glücklich vereint bei ihrer höchst gesunden Nahrungsaufnahme - Mangos). Auch wenn keiner der Beteiligten Schlachter oder Metzger ist, war es doch deutlich "humaner" als wenn ein Paraguayer ein Tier tötet. Während man bei diesen oft minutenlang erbärmliches Schweinegeschrei hört, hat Berta (so hieß die gute Sau), wohl noch nicht mal gemerkt was ihr blüht. Ein Schuss, dann ein Schnitt - das war's. Und geschmeckt hat's auch.
Ein Bruder aus Asuncion hat etwas außerhalb ein Campo (Viehweide). Wir durften dort zu siebt zwei Nächte an einem Flußlauf campen. Ab und zu kamen Kühe oder Pferde zum Baden vorbei, aber viel häufiger hatten wir Mücken zum Essen da (sie uns, nicht wir sie). Sehr schön war's trotzdem. Wir haben über dem Feuer gegrillt, konnten endlich mal reiten, haben im Fluß (=Kuhbadewanne) geplanscht und in der Hängematte gedöst.
Während dieser Tage reifte auf Michaels Arm auch die schöne Wunde, die auf dem Foto zu sehen ist. Zu Beginn sah es aus wie ein ziemlich großer, eitriger Pickel am Unterarm. Bald war es entzündet, dick, schmerzhaft. Schließlich hat er eine zufällig getroffene Schwester um Rat gefragt, die Tierärztin ist (was beim Schwein hilft, kann beim Menschen nicht schaden). In einer Spontanoperation hat sie die Wunde geöffnet und gereinigt. Dabei eine Menge Eiter zu Tage gefördert wie es kein Gesicht eines Vollpubertierenden 16 Jährigen produziert. Es blieb ein ziemlicher Krater. Einhellige Laiendiagnose: Spinnenbiss.
Auf der Rückfahrt von Asuncion haben wir dann auch noch unseren spanischen Kongress in Coronel Oviedo mitgenommen. Spannend war vor allem das letzte Stück Heimfahrt. Es hatte geregnet und wir sind hier großteils auf Erdstraßen unterwegs. War schon spannend in einem großen Reisebus zu sitzen, der wild über die Piste schlingert und dessen Räder durchdrehen. Wir dachten schon wir müssen dort übernachten. Dann hat unser freundlicher Busfahrer noch einen unglücklichen Kollegen samt dessen Gefährt auf dem Graben gezogen. Spannend war's; Bilder gibt's davon keine, alle drei Akkus waren leer.
Der nette gut gebräunte Herr mit Gitarre ist ein Bruder aus unserer Versammlung. Er war mal semiprofessioneller Musiker, weshalb wir öfter mal Kostproben hören. Aber wirklich gut, wenn man paraguayische Folklore mag.
Noch ein kleiner Eindruck vom Leben hier:
Es gibt in diesem Land mehr Arbeitskräfte als Arbeitsplätze. Dieser Überschuss hat für die, die Arbeit haben unangenehme Folgen. Wir unterhalten uns öfter mit der hiesigen Postangestellten. Ihre Arbeitsbedingungen:
- Obwohl Staatsangestellte, erhält sie nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn (umgerechnet derzeit ca. 220 €)
- Urlaub: Fehlanzeige, und das seit 16 Jahren. Auf dem Land gibt's das nicht. Selbst auf die Beerdigung ihrer Mutter durfte sie nicht.
- Krankheit: Im Arbeitsvertrag nicht vorgesehen. Eine Kollegin von ihr, die sich einer Operaion unterziehen musste wurde beinahe rausgeschmissen.
- Arbeitsräume: In ihrem eigenen Haus. Mit Publikumsverkehr. Das wird erwartet, Miete erhält sie dafür keine.
- Selbstversändlich benutzt sie ihr Motorrad und ihren Sprit für Dienstfahrten - Erstattung gibt es nicht.
Warum macht sie's dennoch? Tut sie es nicht, steht schon der nächste bereit. Wohlbemerkt, sie ist Staatsangestellte, in der Privatwirtschaft ist es noch eher schlechter (z. B. wird noch viel weniger gezahlt, Krankenversicherungsbeiträge nicht abgeführt, Rentenanspruch nicht erworben).
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